{"id":35806,"date":"2026-08-13T17:57:43","date_gmt":"2026-08-13T16:57:43","guid":{"rendered":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/?p=35806"},"modified":"2026-08-13T17:57:43","modified_gmt":"2026-08-13T16:57:43","slug":"rhein-kapitan-niedrigwasserkrise-teilweise-hausgemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/2026\/08\/13\/rhein-kapitan-niedrigwasserkrise-teilweise-hausgemacht\/","title":{"rendered":"Rhein-Kapit\u00e4n: Niedrigwasserkrise teilweise hausgemacht"},"content":{"rendered":"<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein stellt nach wie vor eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die deutsche Wirtschaft dar. Welche L\u00f6sungsans\u00e4tze sind praktikabel und was sagen diejenigen, die direkt davon betroffen sind? Dar\u00fcber sprach Epoch Times mit dem Rheinschiffer und Kapit\u00e4n J\u00fcrgen Coll\u00e9e.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Herr Coll\u00e9e, wie ist die aktuelle Situation auf dem Rhein?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das kann ich mit einem Wort beschreiben: trocken. Aber betrachten wir die Fakten: Die Schifffahrt ist behindert, aber nicht ganz eingestellt. Alle Schiffer tun ihr M\u00f6glichstes, um noch so viele Transporte wie m\u00f6glich durchzuf\u00fchren, allerdings mit verminderter Kapazit\u00e4t. Ich befinde mich beispielsweise gerade auf einem Koppelverband. Das sind zwei Fahrzeuge, die zusammengekoppelt sind. Wir fahren normalerweise Container und sollten eigentlich nach W\u00f6rth am Oberrhein fahren. Aber den Schiffen sind aufgrund der Physik Grenzen gesetzt. Deshalb warten wir jetzt auf neue Anweisungen.<\/div>\n<div class=\"mb-5\">\n<iframe loading=\"lazy\" class=\"optanon-category-C0004 embed-responsive-item\" src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/R_UuPgjCSls?si=J-3yGvq6VzR-BLuu\" height=\"315\" width=\"100%\"><\/iframe><div class=\"gdpr-info-box js-data-gdpr-not-available-placeholder\"><div class=\"my-4 p-3\" style=\"background-color:#f0a8a8\">\n<p style=\"font-size:18px;line-height:29px\">An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. 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Hier am Niederrhein haben wir Problemstellen. Deswegen ersetzen ja auch so viele normale Motorschiffe die Schubverb\u00e4nde mit ihrem gr\u00f6\u00dferen Tiefgang, um die Ruhr zum Beispiel mit Erz und Kohle zu versorgen. Das ist also wirklich existenziell. Es gibt Schiffe, die noch bei sehr geringen Wasserst\u00e4nden fahren k\u00f6nnen. Allerdings sind auch hier Grenzen gesetzt. Schiffe mit einem Tiefgang von unter 1,20 Metern k\u00f6nnen beispielsweise nicht mehr fahren, weil die D\u00fcse kein Wasser bekommt und somit kein Vortrieb mehr m\u00f6glich ist. In Holland stauen sich viele Schiffe mit gr\u00f6\u00dferen Leertiefg\u00e4ngen. Wenn sie leer sind, liegen sie hinten tiefer, als wenn sie geladen sind. Wenn sie jetzt den Fluss hochfahren und ihre Ladung l\u00f6schen, dann gehen sie hinten tiefer. Gut, man kann Wasser in die Lader\u00e4ume pumpen, aber das kostet Zeit und irgendwann ist auch hier eine Grenze erreicht.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Also gibt es schon jetzt massive Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Industrie aufgrund des Niedrigwassers?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ja, die Bahn kann nicht alles auffangen, die Stra\u00dfe auch nicht. Das Speditionsgewerbe hat zum Beispiel das Problem, dass ungef\u00e4hr 30.000 Lastwagenfahrer fehlen. Die Bahn ist auch eingeschr\u00e4nkt. Dummerweise f\u00e4llt die Gleiserneuerung auf der rechtsrheinischen Strecke mit dem Niedrigwasser zusammen. Daher hat die Bahn im Rheingebiet nur die halbe Kapazit\u00e4t. Neben dem vermehrten G\u00fcterverkehr muss zudem auch der Personenverkehr bew\u00e4ltigt werden. Au\u00dferdem hat die Bahn schlichtweg zu wenige G\u00fcterwaggons. Dabei bekommt die Bahn so viele Zusch\u00fcsse. Normalerweise m\u00fcsste sie damit die Gleise bis nach Australien bauen k\u00f6nnen. Die Strecken h\u00e4tten in den vergangenen Jahrzehnten in einen besseren Zustand gebracht werden k\u00f6nnen. Die Schifffahrt ist immer die Letzte, die mit Zusch\u00fcssen oder Investitionen bedacht wird. Jetzt r\u00e4cht es sich, dass der Ausbau des Mittelrheins, der schon lange stattfinden sollte, um 20 bis 30 Zentimeter mehr Tiefgang zu erm\u00f6glichen, immer wieder um 20 bis 30 Jahre aufgeschoben wurde.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Ist die jetzige Krise hausgemacht oder waren solche Probleme mit Niedrigwasser nicht vorhersehbar?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Diese Krise ist teilweise hausgemacht. Der Ausbau des Rheins als Wasserstra\u00dfe endete am Tag, an dem die letzte Schleuse in Iffezheim am Oberrhein gebaut wurde. Eigentlich war geplant, bis Worms Schleusen zu bauen. Doch die Umweltverb\u00e4nde forderten einen Schleusen-Stopp. Denn die Schleusen w\u00fcrden eine nat\u00fcrliche Sedimentwanderung verhindern. Die durch den Fluss transportierten Sedimente verhindern, dass sich der Rhein tiefer ins Flussbett eingr\u00e4bt. Daher erfolgte eine Geschiebezugabe. Das hei\u00dft, man hat in Mainz Kies ausgebaggert, ihn nach Iffezheim transportiert und dort wieder in den Fluss gesch\u00fcttet, um die fehlende Sedimentwanderung auszugleichen. Allerdings hat sich der Kies viel weiter als gedacht den Niederrhein hinunterbewegt. Doch am Schleusenausbau f\u00fchrt kein Weg vorbei, wenn der Grundwasserspiegel stabil gehalten werden soll. Gleichzeitig erm\u00f6glichen Schleusen \u00fcber die Installation von Wasserkraftwerken die Stromgewinnung und halten das Hochwasser auf.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Selbst bei geringem Wassernachfluss aufgrund von Trockenheit, wie es aktuell der Fall ist, k\u00f6nnte durch die Stauung des Wassers zumindest die H\u00e4lfte des normalen Wasserstandes erhalten bleiben. So w\u00e4re ein dauerhafter Schiffsverkehr mit gro\u00dfen Schiffen m\u00f6glich. Mit daneben liegenden Fischtreppen k\u00f6nnte man auch die normale Fischwanderung gew\u00e4hrleisten. Langfristig wird es daher darauf hinauslaufen, dass wir Schleusen fast bis Koblenz, wenn nicht sogar noch weiter, bauen m\u00fcssen.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Wie erkl\u00e4ren Sie sich, dass die Politik den Rheinausbau nicht gegen die Widerst\u00e4nde durchsetzen konnte?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das ist ein komplexes Problem. Die Bahnlobby und die Stra\u00dfenlobby sind gro\u00df und auch die Umweltverb\u00e4nde sind nicht klein. Jeder sieht seinen Nutzen darin, wenn die Schifffahrt nicht ausgebaut wird. Ich will ein Beispiel aus dem Rheingebiet nennen. Der Hochrhein sollte hinter Basel bis zum Bodensee weiter kanalisiert werden. Alle 30 Kilometer wurde dazu eine Schleuse gebaut. Dann kamen die Schweizer und die Deutsche Bahn und sagten: \u201eDie Schifffahrt brauchen wir nicht, wir machen das.\u201c Daraufhin wurden die Schleusen wieder zugesch\u00fcttet.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Nehmen wir mal an, ich w\u00e4re jetzt Verkehrsminister. Dann w\u00fcrde ich die anderen Verkehrstr\u00e4ger nicht au\u00dfer Acht lassen, aber ich w\u00fcrde zum Beispiel ein Gesetz erlassen, nach dem jede neu gebaute Schleuse 220 Meter lang und jede neu gebaute Br\u00fccke 9,20 Meter hoch sein muss. So w\u00e4ren alle Wasserstra\u00dfen f\u00fcr Schiffe mit vier \u00fcbereinander gestapelten Containern befahrbar. Der Albert-Kanal in Belgien ist das beste Beispiel daf\u00fcr. Seine 160 Kilometer lange Wasserstra\u00dfe wurde ausgebaut. Hier gab es dieselben Probleme wie in Deutschland: kleine Schleusen und niedrige Br\u00fccken. Die Br\u00fccken wurden alle auf eine H\u00f6he von 9,20 Metern ausgebaut und erneuert, und das komplett mit EU-Geldern. Auch die Schleusen wurden ausgebaut. Nun k\u00f6nnen Koppelverb\u00e4nde mit vier Lagen Containern fahren. Dadurch wurde viel Ladung von der Stra\u00dfe geholt. Mit unserem Koppelverband transportieren wir bei voller Beladung ungef\u00e4hr 500 Container. Jeder Container entspricht einem Lastwagen. Ich fahre also mit einem 2.000-PS-starken Schiff 500 Container. Auf der Stra\u00dfe w\u00e4ren das 500 Lastwagen mit jeweils 500 PS. Muss ich dazu noch mehr sagen?<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Was ist Ihrer Meinung nach jetzt dringend zu tun, um die aktuelle Krise zu meistern?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Zun\u00e4chst muss die Vertiefung des Mittelrheins erfolgen. Die kritischen Untiefen m\u00fcssen beseitigt werden. Das l\u00e4sst sich relativ schnell bewerkstelligen. Die Gelder sind da und die ganzen Formalit\u00e4ten, wie die Planfeststellung, sind schon erledigt. Man wei\u00df, wo sich die kritischen Stellen befinden. Jetzt, bei dem niedrigen Wasserstand, sollte ein Notprogramm gestartet werden, bei dem links und rechts am Rheinufer Bagger die erreichbaren Untiefen beseitigen. Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse von irgendeinem Verkehrsminister. Wir brauchen Menschen, die einfach anfangen.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Das Problem ist also nicht der Mensch, der sich die Natur an seine Bed\u00fcrfnisse anpasst, sondern wie er es tut?<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Ja, mit Ma\u00df und Ziel. Man muss abw\u00e4gen, was man macht. Man kann nicht einfach \u00fcberall Schleusen bauen. Man muss gewisse Punkte ausw\u00e4hlen und das in einer gewissen Frequenz. In Frankreich gibt es Kan\u00e4le, an denen direkt 20 Schleusen hintereinander liegen. Da f\u00e4hrt man von einer in die andere hinein. Wir wollen keine Bauwerke wie den Drei-Schluchten-Staudamm in China, der ganze St\u00e4dte und Landstriche \u00fcberflutete. Das muss nicht sein.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5>Aber Schleusen kosten auch Zeit zu durchfahren. Ist das nicht ein Nachteil?<\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Schleusen sind heute in der Lage, relativ schnell zu schleusen. Ich w\u00fcrde \u00fcberall Doppelschleusen bauen, wie es an der Rhone oder der Seine der Fall ist. Hier haben wir sogar drei oder vier Schleusen nebeneinander. In manchen Schleusen sind die Schiffe in 2 bis 5 Minuten hochgeschleust.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5>Im Vorfeld des Interviews\u00a0sagten Sie, dass das Niedrigwasser auch etwas Gutes hat. Was meinten Sie damit?<\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Einerseits verdeutlicht es, wie wichtig die Binnenschifffahrt f\u00fcr die Wirtschaft ist. Andererseits putzt das Niedrigwasser das Flussbett, wie wir sagen. Schiffsschrauben, vor allem die Schiffe mit D\u00fcsen, sind wie Staubsauger. Sie nehmen den Kies und anderes Sediment auf, ziehen es durch und geben es wieder ab. Das sieht man daran, dass Schiffe hinten einen braunen Faden hinter sich herziehen. So wird das Sediment zum Schweben gebracht und durch den Propeller gedr\u00fcckt. Dadurch wandert auch der Kies. Aber der Kies wandert nicht nur durch die Schifffahrt, sondern auch durch die Eigendynamik der Str\u00f6mung unter Wasser. Je tiefer und schmaler der Rhein ist, desto st\u00e4rker ist die Str\u00f6mung im unteren Bereich. Durch das Niedrigwasser ist der Flusslauf schmaler geworden, sodass mehr Sediment von den Untiefen in tiefere Zonen transportiert wird, wo es dann wieder absinkt. Somit vertieft sich der Rhein an den Untiefen. Das nennen wir: Der Rhein putzt sich.<\/div>\n<div class=\"mb-5\"><h5><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/h5><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\"><em>Das Interview f\u00fchrte Erik Rusch.<\/em><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":35807,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[132,7737,7198],"tags":[28,12130,4010,835,6483,123,32,1241,127,12131,714,11915,12132,426,11917,12133,12843,887,4356,1546,5113,12844,12134,12135],"news-destination":[],"news-source":[7],"ta_other":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35806"}],"collection":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35806"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35806\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35808,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35806\/revisions\/35808"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35806"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35806"},{"taxonomy":"news-destination","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-destination?post=35806"},{"taxonomy":"news-source","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-source?post=35806"},{"taxonomy":"ta_other","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/ta_other?post=35806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}