{"id":34192,"date":"2026-08-10T06:28:19","date_gmt":"2026-08-10T05:28:19","guid":{"rendered":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/?p=34192"},"modified":"2026-08-10T06:28:19","modified_gmt":"2026-08-10T05:28:19","slug":"wie-israels-wahlsystem-die-regierungsbildung-beeinflusst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/2026\/08\/10\/wie-israels-wahlsystem-die-regierungsbildung-beeinflusst\/","title":{"rendered":"Wie Israels Wahlsystem die Regierungsbildung beeinflusst"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">In K\u00fcrze:<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\"><ul>\n<li>Beobachter werten die Wahl zur 26. Knesset im September als <strong>wichtigste Abstimmung seit der Staatsgr\u00fcndung 1948<\/strong>.<\/li>\n<li>\n<strong>Verh\u00e4ltniswahlrecht: Die rund sieben Millionen Wahlberechtigten stimmen f\u00fcr Parteien oder Listen<\/strong>, die 120 Knesset-Sitze proportional zu ihren Stimmenanteilen erhalten.<\/li>\n<li>Da bislang keine einzelne Partei die absolute Mehrheit von 61 Sitzen errungen hat, <strong>h\u00e4ngt die Regierungsbildung von Koalitionsverhandlungen<\/strong> ab<\/li>\n<li>\n<strong>Die arabische Partei Raam<\/strong> k\u00f6nnte zum entscheidenden Koalitionspartner werden<\/li>\n<\/ul><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\"><hr><\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">\u00a0<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Am 27. Oktober w\u00e4hlen die Menschen in Israel ein neues Parlament. Beobachter im In- und Ausland werten die Wahl zur 26. Knesset als wichtigste Abstimmung seit der Staatsgr\u00fcndung 1948.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Neben \u00fcberraschenden B\u00fcndnissen und neuen Parteien entscheidet auch das knifflige Wahlsystem des Landes dar\u00fcber, ob Israels am l\u00e4ngsten amtierender Regierungschef Benjamin Netanjahu weiterregieren darf.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Knesset<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Im Zentrum von Israels demokratischen Institutionen steht das Einkammer-Parlament, die Knesset (Hebr\u00e4isch f\u00fcr \u201eVersammlung\u201c). Ihre 120 Abgeordneten werden f\u00fcr eine Legislaturperiode von vier Jahren gew\u00e4hlt.\u00a0Sitz ist Jerusalem.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das Parlament kann durch eine einfache Mehrheit vorzeitig aufgel\u00f6st werden \u2013 was in Israel durchaus \u00fcblich ist. Unter bestimmten Umst\u00e4nden kann die Knesset ihre Legislaturperiode auch verl\u00e4ngern. Dazu bedarf es einer Mehrheit von 80 Abgeordneten.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Verh\u00e4ltniswahlrecht<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Israels Wahlsystem basiert auf einer reinen Verh\u00e4ltniswahl: Die rund sieben Millionen Wahlberechtigten stimmen nicht f\u00fcr einzelne Kandidaten ab, sondern f\u00fcr eine Partei oder Liste. Auf diese entfallen dann Abgeordnetensitze proportional zu ihren Stimmanteilen. Das gesamte Land gilt dabei als ein einziger Wahlkreis. Laut Gesetz m\u00fcssen die Wahlen \u201eallgemein, landesweit, direkt, gleichberechtigt, geheim und proportional\u201c sein.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Israels W\u00e4hler sind Urneng\u00e4nge gewohnt: Zwischen 2019 und 2022 waren sie gleich f\u00fcnfmal zur Stimmabgabe aufgerufen. Damals konnte aufgrund einer Patt-Situation zwischen den politischen Lagern aus rechten, linksgerichteten und Mitte-Parteien keine stabile Regierung gebildet werden. Bei der Parlamentswahl 2022 lag die Wahlbeteiligung bei mehr als 70 Prozent.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Allerdings war die Wahlbeteiligung in der arabisch-israelischen Bev\u00f6lkerung zuletzt gering: Ihre Repr\u00e4sentation im Parlament blieb weit unter den M\u00f6glichkeiten. Das k\u00f6nnte sich nun \u00e4ndern: Die W\u00e4hler der Parteien Raam und Chadasch-Tal k\u00f6nnten sogar f\u00fcr den Wahlausgang und die Koalitionsbildung entscheidend sein.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Sperrklausel<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Um in die Knesset einzuziehen, muss eine Partei eine Sperrklausel von 3,25 Prozent \u00fcberwinden. Dies entspricht etwa vier Sitzen. Diese Regelung hat erhebliche Auswirkungen auf das Endergebnis, denn Stimmen f\u00fcr Parteien oder Listen, die darunter liegen, werden \u201eneutralisiert\u201c.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Sitzverteilung unter den Parteien erfolgt dann auf der Basis ihres Anteils an den verbleibenden Stimmen. So w\u00fcrden etwa 20 Prozent der Stimmen 20 Prozent der Sitze entsprechen \u2013 also 24 Mandaten.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">\u00dcberschuss-Stimmen<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Teilung der Stimmanteile durch die Anzahl der verf\u00fcgbaren Sitze liefert jedoch kein sauberes Ergebnis. Wenn Parteien knapp daran scheitern, einen weiteren Sitz zu gewinnen, entstehen Restmandate sowie sogenannte \u00dcberschuss-Stimmen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Parteien k\u00f6nnen Vereinbarungen treffen, wonach ihre \u00dcberschuss-Stimmen geb\u00fcndelt werden, um sich einige dieser nicht zugeteilten Sitze zu sichern. F\u00fcr alle verbleibenden, nicht zugeteilten Sitze wendet Israel die Bader-Ofer-Methode an \u2013 eine mathematische Formel, die jeden verbleibenden Sitz der Partei mit dem h\u00f6chsten Durchschnitt an Stimmen pro Mandat zuweist \u2013 wovon meist gr\u00f6\u00dfere Parteien profitieren.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Bei der Parlamentswahl 2022 spielte die Verteilung dieser Sitze eine entscheidende Rolle: Damals wurden umgerechnet 300.000 Stimmen und damit sechs Prozent der abgegebenen Stimmen effektiv neu verteilt. Trotz fast gleicher Stimmenzahl beider Listen sicherte sich damit Netanjahus rechtsgerichtetes Lager letztlich eine komfortable Mehrheit von 64 Sitzen.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">B\u00fcndnisse<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Israels politisches Spektrum umfasst alle Positionen von rechtsextrem \u00fcber zentristisch bis linksau\u00dfen. Noch nie in der Geschichte des Staates Israel ist es aber einer einzigen Partei gelungen, die absolute Mehrheit von 61 Mandaten zu erringen. Die Parteien sind daher traditionell auf Koalitionspartner angewiesen \u2013 Kompromisse sind damit an der Tagesordnung.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu neuen ungewohnten Konstellationen gef\u00fchrt: So gelang es 2021 dem Mitte-Rechts-Politiker Naftali Bennett, an der Spitze einer historischen Koalition zu stehen, die das gesamte politische Spektrum Israels umfasste \u2013 obwohl seine damalige Partei nur sechs Sitze gewonnen hatte.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Z\u00fcnglein an der Waage sind oft die kleineren ultraorthodoxen Parteien \u2013 als Koalitionspartner kommen f\u00fcr sie vorzugsweise Parteien in Frage, die ihnen die Finanzierung ihrer eigenen Bildungseinrichtungen und Lebensweise sowie die zunehmend umstrittene Befreiung strengreligi\u00f6ser M\u00e4nner von der Wehrpflicht zusichern.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Regierungsbildung<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Sobald die Stimmen ausgez\u00e4hlt sind, beginnen die Koalitionsverhandlungen. Israels Pr\u00e4sident erteilt anschlie\u00dfend demjenigen einen Auftrag zur Regierungsbildung, dem es gelingt, eine Koalition auszuhandeln.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Hinsichtlich der Wahl im Herbst gehen aktuelle Umfragen von einem \u00e4u\u00dferst knappen Rennen zwischen Netanjahus Likud und der Opposition aus. J\u00fcngsten Umfragen zufolge liegt derzeit die neue Partei Jaschar von Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot mit zwei Sitzen knapp vor Netanjahus Likud. Laut der j\u00fcngsten Umfrage der Nachrichtenseite \u201eSman Jisrael\u201c w\u00fcrde die Anti-Netanjahu-Opposition insgesamt 57 Sitze gewinnen.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Arabische Partei als K\u00f6nigsmacher<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Eine entscheidende Rolle bei einer erfolgreichen Regierungsbildung d\u00fcrften daher in diesem Jahr arabische Parteien spielen, allen voran die Vereinigte Arabische Liste Raam.\u00a0Die Partei von Mansur Abbas k\u00f6nnte laut der Umfrage sechs Mandate holen \u2013 ihre Beteiligung an einer Koalition w\u00fcrde dem Oppositionsblock somit eine Mehrheit von 63 Sitzen verschaffen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Anders als fr\u00fcher bef\u00fcrworten der Umfrage zufolge die meisten W\u00e4hler der Oppositionsparteien eine Koalition mit Raam. Grund daf\u00fcr ist ein strategischer Schritt von Raam-Chef Abbas: Sollte seine arabisch-muslimische Liste sich wie angek\u00fcndigt auch j\u00fcdischen Kandidaten \u00f6ffnen und den Knesset-Abgeordneten Joav Segalovitz aufnehmen, k\u00f6nnte dies nicht nur weitere Netanjahu-Gegner mobilisieren \u2013 sondern auch mehr arabische W\u00e4hler an die Urnen bringen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Segalovitz gilt in arabisch-israelischen Gemeinden als \u00e4u\u00dferst angesehen: Er war als Staatssekret\u00e4r f\u00fcr \u00f6ffentliche Sicherheit in der fr\u00fcheren Regierung unter Bennett und Jair Lapid bei der Bek\u00e4mpfung der Kriminalit\u00e4t in arabisch-israelischen Gemeinden zust\u00e4ndig und damit \u00fcberaus erfolgreich. Seit Netanjahus Amts\u00fcbernahme und der Ernennung des rechtsextremen Abgeordneten Itamar Ben Gvir zum Innenminister ist die Mordrate in diesen Gemeinden wieder sprunghaft angestiegen \u2013 und ein wichtiges Wahlkampfthema geworden.\u00a0 (afp\/red)<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":34193,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[130,7198],"tags":[92,1687,51,52,57],"news-destination":[],"news-source":[7],"ta_other":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34192"}],"collection":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34192"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34194,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34192\/revisions\/34194"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34193"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34192"},{"taxonomy":"news-destination","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-destination?post=34192"},{"taxonomy":"news-source","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-source?post=34192"},{"taxonomy":"ta_other","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/ta_other?post=34192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}