{"id":22939,"date":"2026-07-13T06:42:16","date_gmt":"2026-07-13T05:42:16","guid":{"rendered":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/?p=22939"},"modified":"2026-07-13T06:42:16","modified_gmt":"2026-07-13T05:42:16","slug":"wie-ungarn-zur-werkbank-der-deutschen-autobauer-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/2026\/07\/13\/wie-ungarn-zur-werkbank-der-deutschen-autobauer-wird\/","title":{"rendered":"Wie Ungarn zur Werkbank der deutschen Autobauer wird"},"content":{"rendered":"<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Kecskemet liegt gut 80 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von Budapest \u2013 weit weg von Stuttgart. Und doch rollen dort, wie an anderen Orten Ungarns, Fahrzeuge vom Band, die das Gesch\u00e4ft der deutschen Autoindustrie tragen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">An diesem Montag bekommt das eine neue Dimension: Denn Mercedes-Benz hat in das dortige Werk gut eine Milliarde Euro investiert \u2013 und es so nach eigenen Angaben zur gr\u00f6\u00dften Autofabrik des Landes ausgebaut. Zur Er\u00f6ffnung (10:15 Uhr) wird auch der neue ungarische Premierminister Peter Magyar erwartet.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Produziert werden in der Provinzstadt bereits die A-Klasse und der SUV GLB. Nun kommt die elektrische C-Klasse dazu. Und weitere Produktionsauftr\u00e4ge d\u00fcrften folgen. Daf\u00fcr wurden unter anderem zwei Hallen f\u00fcr Karosserie- und Montagelinien, eine Lackiererei und eine Batteriemontage gebaut. Durch die Erweiterung k\u00f6nnen in Kecskemet nun potenziell bis zu 400.000 Fahrzeuge j\u00e4hrlich hergestellt werden. Dann w\u00e4re das Autowerk nicht nur das gr\u00f6\u00dfte in Ungarn, sondern auch die gr\u00f6\u00dfte Mercedes-Fabrik Europas.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Dahinter steckt eine Strategie des Managements um Chef Ola K\u00e4llenius: Der Anteil der Produktion in europ\u00e4ischen Niedriglohnl\u00e4ndern soll von 15 auf 30 Prozent verdoppelt werden. In Deutschland schrumpft die maximal m\u00f6gliche Produktion in den n\u00e4chsten Jahren hingegen weiter \u2013 auf 900.000 Fahrzeuge.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Warum gerade in Ungarn?<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Schwaben stehen unter immensem Druck: Insbesondere die Z\u00f6lle und der intensive Wettbewerb in China belasten. Absatz, Umsatz und Gewinn waren zuletzt r\u00fcckl\u00e4ufig. Zunehmend beklagt sich Mercedes \u00fcber die strukturellen Kosten in Deutschland, vor allem f\u00fcr Arbeit. Diese seien im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsf\u00e4hig. \u201eJede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtert die relative Kostenposition\u201c, hie\u00df es k\u00fcrzlich in einem Brief an die Besch\u00e4ftigten.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Anders in Ungarn: Die Produktionskosten liegen Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm zufolge rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Eine Zahl, die Helena Wisbert, Professorin f\u00fcr Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg, f\u00fcr plausibel h\u00e4lt: \u201eDie Produktionskosten in Deutschland sind in der Automobilindustrie die h\u00f6chsten der Welt.\u201c<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Gelockt werden die Konzerne dabei nicht nur mit niedrigen Lohnkosten. Ungarn tue viel, um f\u00fcr Zulieferer und Hersteller attraktiv zu sein, sagt die Expertin. Das Land biete F\u00f6rderprogramme und unterst\u00fctze bei Ansiedlung, Genehmigungen und dem Aufbau der Infrastruktur. Die zentrale Lage in Europa ist der Expertin zufolge aber nicht nur f\u00fcr deutsche Hersteller interessant. Ungarn sei auch Zielland f\u00fcr Werke von BYD oder dem Batteriehersteller CATL.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Ein deutsches Cluster mitten in Europa<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Mercedes ist dementsprechend nicht allein. Zweieinhalb Autostunden entfernt, im ostungarischen Debrecen, hat BMW erst im Herbst ein hochmodernes Werk er\u00f6ffnet \u2013 und daf\u00fcr gut zwei Milliarden Euro investiert. Ausgelegt ist die Fabrik auf Elektroautos. Den Anfang machte der neue SUV iX3.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Fast am anderen Ende des Landes, im Westteil, ist der Volkswagen-Konzern vertreten. In Gy\u00f6r produziert Audi unter anderem den SUV Q3, aber auch ein Modell der Marke Cupra wird dort hergestellt. 2025 liefen dort gut 200.000 Fahrzeuge vom Band. Au\u00dferdem fertigt Audi dort Karosseriebauteile und 2025 fast 1,6 Millionen Benzin- und Dieselmotoren sowie E-Antriebe. Angesichts der Umbaupl\u00e4ne von VW-Konzernchef Oliver Blume d\u00fcrfte das Werk \u2013 zusammen mit dem im nahen Bratislava in der Slowakei \u2013 weiter an Bedeutung gewinnen.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Auch Zulieferer sch\u00e4tzen Ungarn<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Hinzu kommt ein ganzes \u00d6kosystem deutscher Autozulieferer, das sich um die Fabriken herum gebildet hat. \u201e\u00dcblicherweise siedeln sich die Zulieferer, die eine langj\u00e4hrige Historie mit einem Hersteller haben, auch im Ausland an, um dort gleichfalls von den neuen Werken zu profitieren\u201c, erkl\u00e4rt der Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM).<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">So auch in Ungarn. Bosch produziert dort unter anderem Komponenten f\u00fcr E-Autos. Au\u00dferdem steht das gr\u00f6\u00dfte europ\u00e4ische Bosch-Entwicklungszentrum in Budapest. ZF Friedrichshafen fertigt unter anderem Getriebe und \u2013 gemeinsam mit Foxconn \u2013 E-Achsen. Und auch die Conti-Abspaltung Aumovio unterh\u00e4lt in der Hauptstadt unter anderem ein KI-Entwicklungszentrum.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">\u201eDie Produktionsverlagerung ist noch nicht am Ende\u201c<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Er\u00f6ffnung f\u00e4llt in eine Zeit, in der es in der deutschen Autobranche geh\u00f6rig brodelt. Zehntausende bangen um ihre Jobs, Geh\u00e4lter werden gek\u00fcrzt, die 35-Stunden-Woche steht unter Beschuss \u2013 und auch Werksschlie\u00dfungen sind kein Tabu mehr. Aktuell werden dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge knapp sieben von zehn Pkw deutscher Hersteller im Ausland produziert. Seit 2022 geht dorthin auch die Mehrheit der Investitionen der Konzerne.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Wisbert ist sich sicher: \u201eDie Produktionsverlagerung ist noch nicht am Ende.\u201c Es sei betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, dass die elektrische C-Klasse nun in Ungarn gefertigt werde. Aber: \u201eF\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es ein negatives Signal, wenn jetzt auch die Premiummarken wie Mercedes, die ja etwas mehr Spielraum in der Preisgestaltung haben als die Volumenmarken, anfangen, die neuen E-Autos nicht mehr in Deutschland zu produzieren.\u201c<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2  lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Kostenvorteil mit Verfallsdatum?<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">In Ungarn haben deutsche Auto-Konzerne im vergangenen Jahr laut VDA gut 300.000 Autos gefertigt. Mehr Produktion gab es nur in Tschechien, Spanien und der Slowakei. Noch. Denn mit dem Hochlauf der neuen Werke d\u00fcrfte das Land k\u00fcnftig noch weiter nach oben r\u00fccken. Wie weit, muss sich zeigen. Denn auch in Ungarn d\u00fcrften die L\u00f6hne steigen. \u201eAber bis das Niveau in Deutschland erreicht ist \u2013 was ja auch weiter steigt \u2013 muss viel passieren\u201c, sagt Wisbert.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Hinzu kommt der politische Faktor: Die Verlagerungen standen auch wegen der zunehmend autorit\u00e4ren Regierung von Viktor Orban unter Beschuss. Kritiker warfen den Konzernen vor, antidemokratische Haltungen in Kauf zu nehmen, um Subventionen und Steuervorteile abzugreifen. Schwope erwartete, dass Ungarn durch den Regierungswechsel f\u00fcr die deutschen Autobauer nun noch interessanter werden k\u00f6nnte. (dpa\/red)<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":22940,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7198,131],"tags":[1267,518,39,520,29,373,542,123,2125,473,2132],"news-destination":[],"news-source":[7],"ta_other":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22939"}],"collection":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22939"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22939\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22941,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22939\/revisions\/22941"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22940"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22939"},{"taxonomy":"news-destination","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-destination?post=22939"},{"taxonomy":"news-source","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-source?post=22939"},{"taxonomy":"ta_other","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/ta_other?post=22939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}