{"id":16291,"date":"2026-06-26T16:29:39","date_gmt":"2026-06-26T15:29:39","guid":{"rendered":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/?p=16291"},"modified":"2026-06-26T16:29:39","modified_gmt":"2026-06-26T15:29:39","slug":"komm-wie-du-bist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/2026\/06\/26\/komm-wie-du-bist\/","title":{"rendered":"\u201eKomm, wie Du bist\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Dies ist eine Mutschrift, keine Klageschrift, ich schreibe es gleich vorweg. Es ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein wenig mehr Form. Und ja, man ben\u00f6tigt viel Mut in diesen Tagen. Lassen Sie es uns mit dem Mut zur H\u00f6flichkeit in diesen Zeiten des gro\u00dfen Egals zuallererst versuchen. Ich komme mir seit einigen Jahren vor, als lebte ich in Egalistan, dort, wo alles, aber auch alles, egal ist.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">\u201eKomm, wie du bist.\u201c So steht es neuerdings auf Einladungen. Freundlich, einladend, scheinbar gro\u00dfherzig. Kein Dresscode, keine Erwartung, keine Schwelle. Es klingt nach Freiheit, nach Annahme ohne Bedingung, nach einer Welt, die endlich aufgeh\u00f6rt hat, etwas zu verlangen. Ich zweifle. Denn \u201ewie du bist\u201c hei\u00dft ebenfalls: Ich erwarte nichts mehr von dir. Ich strenge mich f\u00fcr dich nicht an, also strenge auch du dich nicht an. Es ist doch egal.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Heute, so scheint mir, gilt die Form als Korsett, als Maske, als das Gegenteil des Echten. \u201eSei einfach du selbst\u201c lautet das Glaubensbekenntnis einer Zeit, die Authentizit\u00e4t f\u00fcr die h\u00f6chste aller Tugenden h\u00e4lt. Doch wer immer nur ist, wie er ist, mutet dem anderen genau das zu: sich selbst, ungefiltert und unverhandelt. Ich will das nicht.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Mich verst\u00f6ren unverh\u00fcllte Body-Positivity-Bierb\u00e4uche, die sich in mein Sichtfeld schieben. Nackte M\u00e4nnerf\u00fc\u00dfe in sich aufl\u00f6senden Flip-Flops. Ich will nicht von meiner Kellnerin geduzt werden und vom ikeanischen In-Room-Egalisierer aus Schweden schon gar nicht. Das macht er schon seit den 70ern. Ich gestehe, als Student lief ich auch in diese Billy-Regal-Falle.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Knigge schrieb \u00fcber R\u00fccksicht, \u00fcber Menschenkenntnis<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Form gibt Halt, hat aber gar nichts mit Steifheit zu tun.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Den Mann, dessen Name zum Synonym f\u00fcr steife Etikette wurde, hat man dabei gr\u00fcndlich missverstanden. Adolph Freiherr Knigge schrieb 1788 kein Buch \u00fcber die richtige Gabel. Er schrieb \u201e\u00dcber den Umgang mit Menschen\u201c \u2013 ein Werk \u00fcber R\u00fccksicht, \u00fcber Menschenkenntnis und \u00fcber die Kunst, dem anderen mit Klugheit und Achtung zu begegnen. Die Tischsitten kamen erst sp\u00e4ter dazu \u2013 von Verlegern hinzu erfunden, da sich ein Benimmbuch besser verkaufte als eine Lebenslehre.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Seit dem Aufkommen der E-Mail st\u00f6rt es mich, wenn diese mit dem MfG-Akronym f\u00fcr \u201eMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen\u201c geschlossen wird. Was sind freundliche Gr\u00fc\u00dfe wert, wenn nicht mal der Respekt des Ausschreibens vor dem Angeschriebenen Bestand hat? Die respektvolle Anrede ist ein Akt der H\u00f6flichkeit.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Oft l\u00e4uft es doch so: \u201eHallo, k\u00f6nnen Sie mir mal das Angebot schicken?\u201c<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">\u201eSehr geehrter Herr Dr. Klaus-Dieter Egalwurst, ich nehme Ihre Anfrage zur Kenntnis und lege sie dort ab, wo sie hingeh\u00f6rt. Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen.\u201c<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">So geh\u00f6rt sich das.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Angewandte Menschenfreundlichkeit<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Bei Knigge war die Form nie Fassade. Sie war angewandte Menschenfreundlichkeit. Denn das ist die Form, recht verstanden: die Anwesenheit des anderen in meinem Kalk\u00fcl. Wer gr\u00fc\u00dft, bevor er fordert; wer den Brief beginnt, ehe er sein Anliegen abfeuert; wer aufsteht, wenn ein \u00c4lterer den Raum betritt, wenn eine Frau an den Tisch kommt \u2013 der sagt mit kleiner Geste etwas Gro\u00dfes. Du bist da. Ich habe dich bemerkt. Du bist die M\u00fche wert.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Schopenhauer, gewiss kein Freund der Schw\u00e4rmerei, hat es n\u00fcchtern auf den Punkt gebracht: \u201eH\u00f6flichkeit ist Klugheit, folglich ist Unh\u00f6flichkeit Dummheit.\u201c<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Man \u00fcbersieht es zu leicht. Die Form ist zutiefst demokratisch. Sie verneigt sich vor dem Pf\u00f6rtner wie vor dem Minister, denn sie misst die W\u00fcrde nicht am Rang. Die gehaltene Anrede, der reservierte Ton, das verl\u00e4ssliche \u201eSie\u201c \u2013 all das war nie ein Instrument der Distanz, sondern eines der Gleichbehandlung. Form zieht eine Linie, die jeder kennt, und gerade weil jeder sie kennt, sch\u00fctzt sie den Schw\u00e4cheren. Wo keine Form mehr gilt, regiert nicht die Freiheit. Es regieren der Lautere, der Schnellere und der R\u00fccksichtslosere.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Tipp: Vergleichen Sie diese Beobachtung mal mit dem aktuell artgerechten Verhalten der Berliner Volksvertreter und der Arealerweiterung in die Landesregierungen.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">N\u00e4he wird zum Gauklertum<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Vielleicht war ja die Verhei\u00dfung: Mit dem Fallen der Form f\u00e4llt auch die K\u00e4lte, und es bleibt die W\u00e4rme. Das Gegenteil ist eingetreten, beschleunigt durch Medien, die sich auch noch \u201esozial\u201c nennen.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Das Beileid schrumpft zum hochgereckten Daumen unter einer Todesanzeige. Der Dank wird zur gestotterten Sprachnachricht und der Gl\u00fcckwunsch zum weitergeleiteten Sticker. N\u00e4he wird zum Gauklertum, eine Beil\u00e4ufigkeit, die sich f\u00fcr Herzlichkeit h\u00e4lt.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Wir haben die Form abgeschafft und daf\u00fcr die Lieblosigkeit angeschafft, denn Form kostet etwas. Das ist ihr Geheimnis. Sie verlangt, dass ich mich f\u00fcr einen Moment hintanstelle, dass ich meine Bequemlichkeit dem anderen opfere. Und so sage ich: Authentizit\u00e4t ist billig, denn man bekommt sie geschenkt, indem man schlicht nachl\u00e4sst.<\/div>\n<h2 class=\"heading-2 mb-3 pt-2 lg:pt-1 xl:pt-2.5\">Eine Frage der Zivilisation<\/h2>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Die Form ist teuer. Sie ist eine Disziplin, eine kleine t\u00e4gliche Selbst\u00fcberwindung \u2013 und eben deshalb braucht es Mut zu ihr. Den Mut, sich M\u00fche zu geben in einer Zeit, die das M\u00fchelose feiert. Den Mut, ein wenig formeller zu sein, als die Umgebung es erwartet \u2013 nicht aus Hochmut, sondern aus Achtung.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Vielleicht wirke ich mit diesen Zeilen auf Sie unzeitgem\u00e4\u00df, wie von vorgestern. Wie jemand, der die gro\u00dfe Lockerung nicht mitvollzogen hat. Sie irren, ich habe einen Gro\u00dfteil meines beruflichen Wirkens erfolgreich in der flauschigen Welt der medialen Unterhaltungsindustrie verbracht. Heute wei\u00df ich: Eine Gesellschaft, die das Bequeme mit dem Freien verwechselt, verliert die \u00dcbung darin, den anderen f\u00fcr einen Augenblick wichtiger zu nehmen als sich selbst.<\/div>\n<div class=\"mb-5 xl:mb-[15px]\">Und das ist, am Ende, mehr als eine Frage des Stils. Es ist eine Frage der Zivilisation. Kommen Sie also gern, wie Sie sind. Aber kommen Sie, bitte, mit Form.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":16292,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7737,134,7259,7198],"tags":[8437,7330,1750,8438,8439,8440,1531,8441,8442,8443,1533,8444,8445,8446,8447,1537,8448,8449,8450,8451],"news-destination":[],"news-source":[7],"ta_other":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16291"}],"collection":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16291"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16291\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16293,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16291\/revisions\/16293"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16291"},{"taxonomy":"news-destination","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-destination?post=16291"},{"taxonomy":"news-source","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/news-source?post=16291"},{"taxonomy":"ta_other","embeddable":true,"href":"https:\/\/euapp01.newsmemory.com\/epochtimesde\/news\/wp-json\/wp\/v2\/ta_other?post=16291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}